Sehr geehrte Besucher*innen, Kunstinteressierte, Freunde, Begleiter*innen, Anwesende.

Ich begrüße Sie recht herzlich und voller Stolz, zur Personalausstellung (von) E.R.N.A.´s BILDerLEBEN.

Als E.R.N.A. mich fragte, ob ich heute hier eine Rede für sie halten könnte und mir mitteilte, dass angedachte Rednerin Frau Dr. Ingrid Koch an diesem Tag leider nicht anwesend sei könnte, ging mir die Muffe. Ich bin weder Kunsthistorikerin, noch -wissenschaftlerin, bin maximal Kunstliebhaberin, -konsumentin und nur eine dieser Nutzniesserinnen des Systems.

Darum freute es mich umso mehr, zu erfahren, dass Fr.Dr.Koch heute nun doch den professionellen Teil dieser Einführung übernehmen wird.

So kann ich heute hier nur als Tochter stehen. Denn etwas Anderes ist mir nicht möglich. Nicht nachdem ich diese Ausstellung sehen erleben durfte.

Füllten E.R.N.A.s Bilder doch mein ganzes Leben, meinte ich doch, diese Frau und ihre Kunst zu kennen, wirft mich beim Eintreten in die Galerie Altenau 04, das Betrachten des ersten Bildes zurück zu meinem Ursprung.

„Sectio Caesare“ trifft mich, haut mich um. Zeigt das Leben, das ich kenne. Zeigt die blutende Mutter. Den Ursprung des Lebens, meines Lebens. Mein Muttertier, das mich behütende, umhüllende, Geborgenheit gebende, mir meinen Weg ebnende und mich auffangende, wird im Leben, wie in der Kunst roter Faden dieser Ausstellung sein.

Die Leben erschaffende, die Leben schützende , die Tröstende, die Trauernde „Selbst II“. Die Frau in ihrer Weiblichkeit und den Facetten, die wir ihr zuschreiben.

Mit Gänsehaut erlebe ich zunächst nur das. Ist es meinem eigenen Erleben augenscheinlich am nächsten.

War ich doch dabei.

Erkenne ich trotz lebendiger Farben, und scheinbar idyllischen Familienmotiven die ganze Dramatik hinter „Wolke 8“ oder „Prägung“.

Ein Leben erfüllt von so viel Glück und Liebe, dass das Unglück kaum zu ertragen schien. Und doch ist so viel entstanden, stehen wir heute hier in diesem Wahnsinn von Lebenswerk, sodass ich meinen Blick mit neuem Fokus durch die Ausstellung wandern lasse und mit der Frage, wer ist diese Künstlerin? Diese Frau, neben meinem Muttertier.

In der Serie „Ich war am Meer“, erkenne ich sie, die leichte, energetische junge Frau, die mit Witz und Humor den Spießbürgertum auf die Schippe nimmt und der Normalität nicht mehr als ein Lächeln abgewinnen kann.

Doch woher diese Leichtigkeit?

Die Serie „letzte Volkskammersitzung der DDR - das Ende“ liefert mir vermutlich eine Antwort.

Wie lange stehe ich vor den Bildern? Wie viel Zeit verstreicht? Die Zeichnungen sind meine Neuentdeckung. Ich mag sie sehr. Warum wird mir erst ein wenig später klar. Sie lassen mich an meiner Mutter etwas erkennen.

1989 - ich war noch nicht geboren, E.R.N.A. 35 Jahre alt, mein heutiges Alter und ihr Thema, so aktuell wie nie; das Verlangen, der Drang, der laute Ruf nach Freiheit, nach Demokratie.

Im Bild erlebe ich, woher ich komme, woher meine eigene Überzeugung rührt. Und was ich fühle, ist Stolz. Mut und Kraft immer wieder auszusprechen, zu fordern, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Eine Welt voller Farben. Voll der wildesten Lebenslinien, die alle, an einem Ort wie diesem hier und in der Welt ihren Platz haben dürfen sollten.

Von der jungen Rebellion, über die Erfahrung, wie es ist, wenn sich ein ganzes Land ändert und die Möglichkeiten eines Lebens größer werden, die Erfüllung im Schaffen zu finden, dem Schaffen von Kunst und dem Erschaffen von Leben, hin zur Weiblichen Kraft.

Emotional, weibliche warme Farben, Rundheit, grafische Linien, die zu starken Botschaften verschmelzen.

Jedes Bild stellt eine Nähe her, will mich in den Arm nehmen, in den ich mal mich fallen lasse, mal erschrocken davon rennen will.

NÄHE.

Auch wenn ich aus Wut aufs Patriarchat gern jede Erwähnung eines Mannes in Bezug auf ihr Lebenswerk unerwähnt ließe - sehe ich ihn doch. Meinen Vater. Den Künstler Paul Böckelmann.

Sehe ihn nah bei ihr, als Menschen, Partner, als lauten, präsenten, Raum einnehmenden Teil ihres Lebens und ihrer Werke.

Könnte sie doch „Es ist ein Kreuz“ auch Hand in Hand mit ihm gemalt haben.

Was für ein BILDerLEBEN! Rebellion, Kritik an Staat und Kirche, Provokation. Lautes, wildes Kämpfen, Beißen, Schreien der Farben.

Das muss Paul gefallen haben. Zu Füßen muss er ihr gelegen haben, der schönen Elke.

Und nicht nur diesen Mann hat sie eng in ihr Leben verwoben. Burkhard, Kalle und Uwe hängen hier nicht nur bildhaft, sondern auch sinnbildlich für all die Männer(bilder), die ihr Leben und Schaffen begleiten.

Welch feministischer Feldzug seinen Töchtern ein Umfeld zu schaffen, in dem „Männerbilder“, tatsächlich so eng verknüpft sind mit Frieden, Fürsorge, Sicherheit, bedingungsloser Liebe. Männerbilder, die nie nur Freunde waren, sondern von E.R.N.A. als Familie bezeichnet wurden.

Das einzige Männerbild, dass wir in unserem Leben akzeptieren sollten.

BILDerLEBEN ist für mich eine Offenbarung. Die Antwort auf der Suche nach meinem eigenen Kern. Die Geschichte meiner Moral und das Abbild eines Strebens nach Freiheit, Vielfalt und dem gemeinsamen Erleben aller Höhen und Tiefen des Lebens, dem ich gern nacheifern möchte.

Ich lade sie recht herzlich ein, diese Ausstellung nun für sich zu erleben und ihre eigenen Antworten zu finden.

Liebe E.R.N.A., liebe Elke, liebe Mami. Das alles bist du und noch mehr. Danke für dich.




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