2019 Mai, Klaus Albert "Collagen & Skulpturen“

 

Begrüßung


P.B.: Wieso berührt mich Kunst, die so scheinbar andere Prämissen setzt? Mich, der aus dem Chaotischen, dem Zufälligen seine Bilder formt, der Verletzung und Zufall im Bild als zwingende Erscheinung akzeptiert. Klaus-Joachim Albert, der mit seiner Präzision, der Reduktion, der in Szene gesetzten Geometrie mein vermeintlicher künstlerischer Antipode sein könnte, erreicht jedoch meisterlich gekonnt mein Hirn und Herz. Warum?


C.S.,B.S.: Stopp Paul, Wollten wir nicht über Zerknittert und Verfaltet sprechen. Aus einer Vielzahl möglicher Linien im dreidimesionalen Raum durch  Reduktion die extrahieren, die die geometrischen Strukturen von Klaus-Joachim Albert formen.

Kunst,  die im Kopf entsteht, zu Papier gebracht wird und durch handwerkliche Meisterleistung in Form und uns zur Erbauung gereicht wird.


P.B.: Der Zugang zu den Skulpturen erschließt sich übers Sehen - eine Plattitüde - der Form, des widergespiegelten Lichts, der Wahrnehmung feinster Veränderungen beim umschreitenden Betrachten. Mit einem, nur Sekunden dauerndem Blick sind die Objekte geometrische Abstraktionen. Und das wars. Aber aus dem Verweilen und Innehalten vor der Skulptur kann ein kontemplativer Moment gefühlten Denkens aufleuchten, der Erinnern und Assoziation zur Weltsicht richtet.


C.S.,B.S.: Kontemplation ??? (von lateinisch contemplatio „Richten des Blickes nach etwas“, „Anschauung“, „Betrachtung“) ist in philosophischen und religiösen Texten die Bezeichnung für ein konzentriertes Betrachten.

Wenn im menschlichen Leben die Betrachtung eine dominierende Rolle spielt, spricht man von einer theoretischen oder kontemplativen Lebensform oder -phase im Gegensatz zur „praktischen“ Lebensweise, dem auf äußere Aktivität ausgerichteten „tätigen“ Leben 


P.B.: Wissenschaft, insbesondere Kunstwissenschaft - wobei die Frage offen bleibt, ob die Analyse von Kunst überhaupt Wissenschaft sein kann. Oder sie doch nur rechthaberisch, reflexiven Glauben wissenschaftlich zu postulieren vermeint. - ist natürlich immer bemüht, Werke einzuordnen, sie mit Namen zu belegen. In unserem Fall: Konkrete Kunst. Aber ist Kunst denn nicht immer konkret?


C.S.,B.S.: Kunsthistoriker: "In New York war er schon. Leider hat  das" Museum of Modern Art" bisher vergessen Ihn zu erwähnen. Aber Zeitungen berichteten über Ihn. Im Laufe der Jahrzehnte von Museumsleuten und Kritikern gedeutet zu werden, liegt bei seiner Wichtigkeit unbedingt auf der Hand. Das here Meisterwerk, der inspirierte Künstler, die Umschreibung der Künstlerrolle, ist aus den Erfolgen seiner Skulpturen zu erklären, Der Bezug zur Abstraktion reicht erheblich weiter, als nur zur Anknüpfung an die Moderne. Hier allerdingst müssen wir differenzieren.

Ich habe  vergessen , um wenn es ging, aber der Text passt immer"


P.B.: Doch uns bleibt auch vor den Albert´schen Werken - wieder so eine Plattitüde - nur die Wahrnehmung übers Auge, übers Tasten, mit allen Sinne das Objekt, das künstlerische Werk ins Innere, in die Psyche - um nicht das korrumpierte Wort Seele benutzen zu müssen - aufzunehmen.


Der silbrig glänzende, sich windende, aufsteigende, kriechende Corpus aus Edelstahl - jede Arbeitsspur von Alberts Perfektion getilgt -  reflektiert, wirft Bild und Licht und Farbe zurück und wie ein Atemholen gewinnt eine Skulptur mit ROT und SCHWARZ eine andere, nicht weniger intensive Aura nonverbaler Erlebnismöglichkeit. Auch in der reduzierten Verwendung der Farbe, ganz mein Antipode, spiegelt sich in seiner Arbeit für mich jedoch asketische Vielfalt des Deutbaren.


C.S.,B.S.: Im Gegensatz zur Opulenz anderer Werke finden wir hier  klare minimalistische Schachtelungen, Faltungen  und Haken und den punktuell bedingungslosen Einsatz von Farbe. Die Skulturen sind fliesend und setzen sich sprudelnd  in die  Umwelt fort, ohne ihre inneren Werte zu "vergießen". Die kühle Haptik des Materials( Vorsicht bei Sonnenschein), im Gegensatz zur freundlichen Nähe des Künstlers, lässt uns neue Erfahrungen bei  der Kunstbetrachtung sammeln.

Und man kann auch auf der Kunst liegend, in den Himmel träumen.


P.B.: Wenn ich bedenke, wieviel handwerkliches Geschick nötig ist, um dieses Werk zum Klingen zu bringen, dann meine ich zu ahnen, wie nah wir uns in aller Gegensätzlichkeit sind.


C.S.,B.S.:,P.B.: Wir (jedenfalls) verbeugen uns vor Dir, weil wir damit deinen und auch meinen Willen zum künstlerischen Tun gedenken, achten und ehren wollen.


Cornelia Schlahsa, Burkhard Schlahsa, Paul Böckelmann   


Zur Ausstellung erschien ein Katalog.

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