2006 Juni, "Des Zeitstrahls Augenblick"

 

Begleitende Ausstellung zum gleichnamigen Medienprojekt


Ausstellung Juni 2006

"Des Zeitstrahls Augenblick"


... rafft die Zeit, eine Biografie, der in der zweiten Hälfte des 20-igsten Jahrhunderts Geborenen, ins Licht der Projektoren, Beamer und Laserstrahlen. Durch Poesie geläuterte Erinnerungen werden wachgerufen. Die aus Alben gekramten Fotografien werden durch Farbe und Animation verändert, verwandelt, verzaubert. Grafiken, Collagen, Malereien schaffen einen Bildraum, der den Betrachtern facettenreiche Assoziationen auftut. Durch die Klang- und Musikkomposition werden die Bildwelten emotional aufgeladen und kommentiert. Der Einsatz des inszenierten Raumlichtes steigert die Bildwirkung der, nur durch die Digitalisierung möglichen Montagen.

Sie fordern die Interpretationen einer Vergangenheit heraus, die den Zusammenhang subjektiver Empfindungen und scheinbar objektiver Wahrnehmungen der Zeit hinterfragen.


Exemplarisch dafür steht das Problem, welches wir bei der Darstellung der Zeit um 1961 bekamen. Einer Zeit, die bei vielen von uns mit den Bildern erster bemannter Weltraumflüge und jenen des Mauerbaus illustriert sind. Wir waren Kinder oder noch nicht geboren. Der Tag des Mauerbaus beeindruckte uns, die wir nicht in Berlin oder in einem Dorf in Grenznähe lebten, kaum. Doch mit dem Älter werden war zu spüren, welche Zäsur dieser Augusttag bedeutete.

Die Kindheit war schön. Aber mit dem Erwachen des eigenen Denkens wuchsen wir auf Grenzen zu. Was bedeutet also dieser 13. August in der Reflektion ganz persönlicher Biografien?


Oder anders gefragt: Wie rette ich die Erinnerung an den ersten Kuss, an die erste Liebe über die Geschichte der Enge? Wie formte mich das Spießertum, die Bevormundung durch Eltern, Schule, Funktionäre? Diese Fragen setzen die Akzeptanz des Vergangenen, der eigenen Vergangenheit voraus. Unsere Zeitreise, die 1989, mit dem Fall der Mauer endet, dient dem Jetzt und der Hoffnung und nicht einer rückwärts gewandten Nostalgie oder schlimmer noch, einer sentimentalen Ostalgie.


Keiner kann, soll und darf seine Biografie umschreiben.


Projektgruppe