Fontane - er war nie hier

Ein Kunstprojekt von Paul Böckelmann. Bilder - Fotos - Texte - Biografien.

Es erscheinen zwei umfangreich Kataloge.

Ab 15. September 2019 zeigen wir eine Ausstellung zu Fontane200 - Er war nie hier.

Die Schauspielerin Mandy Partzsch und Micha Winkler führten eine szenische Lesung mit Texten von Paul Böckelmann auf.


Eröffnung: 15.09.2019, 15:00 Uhr

Die Kneipe


N’abend. Ein Gedeck und ne Bockwurst. Leben noch frisch? Hier kommt Demokratie auf den Tisch. Das Schwein hat 400 Pfund gebracht. Das war’s letzte Mal, dass wir geschlachtet haben. Leberwurst , Sülze, Rotwurscht, Blutwurscht. Die Roten haben zu viel Prozente gekriegt. Sitzen jetzt im Kreistag, Landtag und im Bund. Im Bund mit den Grünen. Gelb anlaufen könnte man. Aber die Blauen werden kommen. Gepökeltes hamwer auch gemacht.  Und Gehacktes durch den Fleischwolf geleiert. So müsste manches durch die Mangel gedreht werden. Überhaupt alles drehen. Wir hatten schon mal ne Wende. Da gingst durch die Mauer. Die nächste geht durch die Decke.


Unter den pissgelben Lampenschirmen kreisen die schwarzen Gedanken ums verfluchte, undurchschaubare Weltgetriebe. Was kommt uns die Kanackensau in die Quere. Ab durch die Wogen auf den grundlosen Meeresgrund. Nee, die sollen bleiben wo die Trockenheit Heimat hat und sechsmaliges Beten Tradition. Aber die wohnen in unseren Städten, schon lange. Haben sich eingelebt. Nichts da. Die killen das Schaf im Bad. Manchmal ihre Töchter auf offener Straße. Zur Strafe für zu viel Offenheit. Hör mich uff. Noch ist unsere Kirche Kirche. Noch ist der Turm kein Minarett. Mir geht ja schon das Gebimmel auf die Eier. Aber das ist Tradition. Von Gestern. Wenigstens Gott haben die Kommunisten abgeschafft. Weißte noch? Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein. Solche Sprüche kloppen aber Weihnachten Stille Nacht mit dem Pfaffen trällern.


Am Nebentisch wird erschossen, erhängt, guillotinert, massakriert was der Mut des Maulhelden hergibt. Kinderschänder gehören kastriert. Ab das Ding in den Schweinetrog. Fraß. Die fressen alles. Wirtin, noch ne Wurst mit Brötchen. Viel Senf nicht vergessen. Verdaut sich das Fressen besser. Fressen wird auch immer teurer. Und Fressen gehen kann man garnicht mehr. Und wenn’se dann noch Bio… meine Fresse.


Was schreiben die. Du sollst bewußter kaufen, irgendwie. Bioökologisch. Biodreck fressen. Diese Biodreckfressen. Die Grünen kommen uns teuer zu stehen. Umlegen. Umwelt schonend. Wer schont mich auf der Gläje. Du malochst und was bleibt hängen. Aufhängen. Das wär mal was. Man darf ja nischt. Und das soll Demokratie sein. Alles ändert sich. Selbst das Klima. In welchem versifften Wurstblatt steht das denn. Behaupten kann man vieles. Alles. Aber. Wetter war immer. Mal so, mal so. Ewiges jammern. Der Bauer klagt ungefragt. Die in ihren klimatisierten Maschinen merken’s Wetter doch gar nicht mehr. Bäume für Schatten. Quatsch. Brauchen wir nicht. Die wollen die Kastanien auf dem Friedhof wegmachen. Na Gott sei Dank. Da hört das ewige Laubgeharke endlich auf. Und wenn’s dann noch die Wiese immer kurz halten dann ist endlich mal Ordnung. 


Klebrige Fliegenfänger hingen von der Decke. Irgendwann. Früher. Leimspiralen voll fetter schwarzer Brummer. Früher. Die Viecher sind Gott sei Dank weniger geworden. Früher war mehr Viehzeug. Früher war mehr Paletti. Mehr los. Los. Eins in die Fresse.


Meine Fresse, hat die Holz vor der Hütte. Mit der wirste warm im Nest. Wenigsten das. Heizen wird auch immer teurer. Der Ölpreis schießt durch die Decke. Die Wüstensöhne ballern sich schon wieder die Köppe weg. Dafür ist Geld da. Die Waffen kommen von uns. Bringt doch die Wirtschaft in Schwung. Meine Fresse. Solange die ihre Probleme dort lassen, sollen sie sich doch die Köppe einkloppen. Wir müssen ja hier auch klar kommen. Die müssen uns nicht unser Brot wegfressen. Unsere deutschen Werte kennen die nicht, achten die nicht, wollen die nicht. Halt die Potten still, du mit deinem Polackenamen. Da nutzen dir deine blaue Augen auch nischt. Großmutter aus den maurischen Sümpfen - die hätte der Führer nicht heimholen sollen. Waren’s nicht die Sudeten? Ist doch egal. Deutsch ist deutsch, bleibt deutsch.

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